Arbeiten
in einem freien Betrieb
Ein Bericht von Axel Baumann
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Menschen,
die die Möglichkeit haben, von einer Behindertenwerkstätte
wegzukommen und die Chance kriegen in einem Betrieb zu arbeiten:
Wenn
man die Schule nicht schafft, hat man es im Berufsleben schon
schwieriger. Die einzige Möglichkeit bleibt den Hauptschulabschluss
nachzuholen. Ich war auf der Sonderschule für Lernbehinderte.
In der neunten Klasse hatten wir die Möglichkeit den Hauptschulabschluss
nachzuholen. Ein Mann vom Arbeitsamt kam damals in die Schule
und berichtete uns von den verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten.
Es war bei mir schon immer so, daß ich eine Ausbildung machen
wollte. Irgendwann kam dann der Punkt wo man mir gesagt hat, da§
ich niemals eine Ausbildung in einem Betrieb schaffen würde.
Dann kam ich in die Lebenshilfe nach Haslach.
Nach
einiger Zeit bekam ich das Gefühl, daß mich die Arbeit
in einer Behindertenwerkstatt nicht ausfüllt. Ich will es
mal so ausdrücken: Ich konnte es mir einfach nicht vorstellen,
mein ganzes Leben in solch einer Werkstätte zu verbringen.
Dann habe ich die Chance genutzt und den Hauptschulabschluss nachgeholt.
Ich
möchte jetzt von meinen Erfahrungen berichten: Zuerst mußte
ich feststellen wie es ist ohne Betreuer zu sein, also auf eigenen
Beinen zu stehen, beruflich wie privat. In den Berieben ist man
ratlos, weil man nicht weiß, was für eine Tätigkeit
man demjenigen geben kann. Man muss sich selbst um die Verpflegung
kümmern und für den Weg in den Betrieb sorgen. Man ist
in gewisser Weise auf sich selber gestellt. Es ist auch schwer
jemand zu finden, der viel Verständnis für die Menschen
und deren Probleme oder Schwierigkeiten hat.
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Mit einem Lächeln geht die Arbeit leichter
von der Hand.
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In
diesem Zusammenhang möchte ich noch einiges klarstellen:
Es muß nicht unbedingt sein, daß man in diesen Betrieben
schneller arbeitslos werden kann, nur weil der Betrieb keine Aufträge
mehr annimmt oder keine Aufträge mehr hat. Man muss unterscheiden
zwischen Industrie und Handwerk.
In
einem Malerbetrieb, einer Schlosserei oder in einem Sägewerk
findet man immer eine Tätigkeit die man tun kann falls die
Auftragslage mal nicht so gut ist. Man kann zum Beispiel die Werkstatt
aufräumen, oder der Betrieb schafft sich eine Papierpresse
an oder man kann irgendetwas streichen. Ich arbeite mittlerweile
schon 11 Jahre in einem Schlosserbetrieb. Ich kenne keinen Grund,
warum ich hier weggehen sollte.
Ich
habe gerne in der Lebenshilfe gearbeitet. Wenn man labil ist hat
man auch keine andere Möglichkeit, da man ein dickes Fell
haben muß. Ich habe auch festgestellt, da§ man in der Behindertenwerk-statt
zu den guten gehört und in einem Betrieb zu den schlechteren.
Natürlich spielt die finanzielle Situation auch eine Rolle.
Ich habe eine Tätigkeit gefunden, wo meine Kollegen von sich
aus sagen können, dass ich es sehr gut kann.
Ich
werde von den Kollegen so akzeptiert wie ich bin und mich mögen
alle. Ich muß Dichtungsgummi in die Fenster reindrücken
und Berge von Papier pressen. Ich habe bestimmt schon ca. 130
Kilometer Gummi rein gedrückt und 200 Tonnen Papier gepreßt.
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Berge
von Papier und Kilometer Gummi hat Axel Baumann bereits
entsorgt.
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Ich
möchte meinen Beruf nie wieder aufgeben und bin mit der jetzigen
beruflichen Situation sehr zufrieden.
Axel
Baumann
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